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Presseberichte über unsere Arbeit

Wie das Theaterprojekt "Naturschauspiele" Kindern naturwissenschaftliche Phänomene näherbringt

Naturphänomene entdecken, diese mit dem Körper ausdrücken, nachspielen und dadurch besser begreifen. Der Kindergarten "Große Bären" geht mit einer Theaterpädagogin und einer Naturwissenschaftlerin in einem Projekt neue Wege und verbindet Theater mit Naturwissenschaften.

„Ich bin das weiche", ruft Lena. „Ich will die Nadel sein", sagt Robert. Lena und die anderen Kinder der Kita „Größe Bären" fassen sich an den Händen und bilden einen kleinen Kreis. Robert schnappt sich eine leere PET-Flasche und stellt sich mit der Erzieherin neben diesen Kreis. Beide fangen an, kräftig zu pusten. „Am Anfang ist der Luftballon klein und schrumpelig, doch dann wird er, immer größer", kommentiert die Theaterpädagogin und der Kreis weitet sich zunehmend, bis die Arme vollständig aus- gestreckt sind und keine „Luft" mehr reinpasst. Robert hört mit dem Pusten auf. Er tapst nun zu Lena, die das Weiche ist, und pikst ihr mit dem Flaschendeckel auf den Rücken. Nichts passiert. Er pikt sie nochmals. Wieder nichts. Das Kind neben Lena pikt er auch. Nichts. Nun pikt er ein Kind, das von Lena ein Stück weiter weg ist - und: Peng! Der „Luftballon" platzt, der Kreis löst sich auf und alle jubeln lautstark.

Die vier- bis fünfjährigen Kinder aus dem Kindergarten „Große Bären" von „concept maternel" treffen sich seit einem halben Jahr einmal in der Woche mit der Theaterpädagogin Anna Terstiege, den Erzieherinnen Nadja und Stefanie und der Naturwissenschaftlerin Martina von Gehlen, um Naturphänomene im Schauspiel zu erleben. Entstanden ist das Projekt aus den Erfahrungen von „Spielwiese - Theater mit den Allerkleinsten" und dem Wunsch, allen Kindern von „concept maternel" theatrales Spiel zu ermöglichen. So kam die Idee auf, erneut am Programm „Kunst Stück - das zweite" der Robert Bosch Stiftung teilzunehmen.

Naturwissenschaftliches im Spiel

„Anknüpfend an die Alltagsthemen der Kinder und die vielen Forscherfragen, auf die Kinder täglich Antworten suchen, waren wir schnell beim Thema Naturwissenschaften. Ich fand es spannend, dass wir etwas Neues wagen, nämlich Kunst und Wissenschaft zu koppeln. Im Grunde ist alles spielbar. Es gibt nichts, was man nicht auch räumlich, seelisch, körperlich darstellen kann - auch naturwissenschaftliche Fragen", bringt Anna Terstiege den Kerngedanken des Projekts auf den Punkt.

Die Frage, die in der heutigen Naturschauspielstunde im Fokus steht, ist die Frage nach „Löchern". Also danach: Was ist groß, was ist klein? Was passt wo durch? Was ist leicht, was ist schwer? Durch Materialerkundung, Bewegung, Sprache, Musik, durch Körper, symbolische Darstellung, Text usw. erleben und erkunden die Kinder ihre Fragen und Antworten. „Genau diese sind die vielen Ausdrucksformen und Elemente von Theater", bekräftigt Anna Terstiege. „Wir setzen Theater ein, um Erfahrungen am eigenen Körper zu machen. Wir sehen Theater nicht vom Ergebnis her, sondern legen den Fokus auf den Prozess."

Neben dem körperlichen Erleben steht damit auch das naturwissenschaftliche Erkunden von impulsgebenden Materialien im Mittelpunkt. In der sogenannten „Pause" erforschen die Kinder deshalb verschiedene Materialien, die ihnen die Naturwissenschaftlerin Martina von Gehlen zur Verfügung stellt. Dieses Mal sind es verschiedene Siebe, Tabletts, Schalen, Schöpfkellen, verschließbare Gläser und Körnermaterial in unterschiedlichen Größen (getrocknete Erbsen, Linsen, Hirse, Muscheln usw.). Flink stürzen sich die Großen Bären auf die Sachen und beginnen sofort mit dem freien Experimentieren. Dabei teilt sich die Gruppe in Untergruppen und es entstehen kleine Rollenspiele. Zwei Jungen füllen Erbsen in die verschließbaren Gläser und verkaufen Honig, ein weiterer Junge stößt hinzu und sie beginnen, etwas zu kochen. Ein Mädchen setzt sich die Siebe als Hüte auf und läuft damit durch den Raum. Während dieser explorativen Phase beobachtet und dokumentiert eine wissenschaftliche Mitarbeiterin der Pädagogischen Hochschule genau die aufkommenden naturwissenschaftlichen Fragestellungen der Kinder. Diese versucht das interdisziplinäre Team, in den kommenden Stunden aufzugreifen und zu bearbeiten.

Naturwissenschaftliche theatrale Erkenntnisse


Nach der „Pause" berichtet jedes Kind über seine Erkundungen. „Was habt ihr entdeckt?", fragt Martina von Gehlen und hält eine Lupe hoch, das Zeichen für den Austausch im Gesprächkreis. Ein Junge berichtet: „Ich habe die Becher mit Sand gefüllt. Das waren Honigbomben." Ein Mädchen erzählt: „Ich habe ein Sieb gefunden. Dann habe ich mit Eva etwas reingefüllt. Dann haben wir das immer auf das Tablett geschüttet. Dann ist es Sand geworden." Martina von Gehlen fragt weiter, was die Löcher durchlassen. Oben bleiben die großen Körner und unten die kleinen, stellen die Kinder fest. Neben ihren Erzählungen präsentieren sie ihre Entdeckungen: Felix zeigt, wie sich Erbsen und Linsen beim Schütteln der Löcherschöpfkelle trennen und Norman lässt die „Kugeln" in das Glas rieseln, indem er seine Hand zu einem Trichter formt. Bei diesem Austausch sind die Kinder auch auf der „Bühne", selbst diese Präsentation hat immer etwas mit Darstellen zu tun.

Anne Terstiege fragt die Kinder nun, was sie für das Theater entdeckt haben. Wie können wir die Löcher mit dem ganzen Körper darstellen? Die Kinder fassen sich an den Händen und bilden einen Kreis, sie machen mit ihren Armen ein „O" und sie bilden ein Dreieck, indem sie sich nur auf die Hände und Füße stützen. Daraus entsteht dann das Siebspiel. Daniel spielt die Erbse und kriecht unter Felix durch, der das Loch des Siebs ist. Die anderen Kinder schlüpfen daraufhin auch in die Rolle der Löcher oder der Erbsen. Manche Erbsen passen durch die Löcher, manche nicht. Dieses Spiel ist eine Art Vorübung für das, was die Gruppe später an Szenen herausarbeitet, sozusagen Theater im Prozess: Die Kinder spielen gemeinsam ein naturwissenschaftliches Phänomen nach. „Manchmal kann dieses naturwissenschaftliche Spiel auch in fi ktive Geschichten übergehen", berichtet Anna Terstiege, „z. B. wenn die Kinder einen Wassergraben zu einer Ritterburg überqueren."

Nach dem Spiel erzählt die Theaterpädagogin eine Geschichte. Ihre Erzählung läutet sie mit einem Glockenspiel ein: „Neulich hat mich ein Koch in die Küche eingeladen …" Natürlich kommen in dieser Geschichte auch wieder Löcher vor, nämlich bei der Spätzlepresse. Am Ende singen die Kinder wie immer ihr Abschlusslied und verlassen den Raum balancierend auf einem Seil.

Exemplarischer Ablauf einer Naturschauspiel-Stunde:

  • Eingangsritual mit Instrumenten
  • Begrüßungslied
  • Bewegungsspiel
  • Spiel der letzten Stunde
  • Pause: Materialerkundung
  • Bewegungsspiel
  • Gesprächskreis mit Präsentation der Erkenntnisse
  • Erzählen einer Geschichte
  • Abschlusslied

Das interdisziplinäre Team

In der ersten Phase des Projekts („Theaterpädagogische Grundlagen/ Konzeptphase") hat die Theaterpädagogin alle Erzieherinnen der Einrichtung theaterpädagogisch geschult. Dabei ging es in erster Linie darum, in Workshops das eigene theatrale Spielen (wieder) zu entdecken. Parallel hierzu hat die Theaterpädagogin auch mit den Kindern gearbeitet: Körperausdruck, Rollenspiel, Improvisation und Pantomime. Daneben standen das Zusammenspiel in der Gruppe und die soziale Interaktionsfähigkeit im Mittelpunkt. Die Kinder sollten zu einem kleinen Ensemble zusammenwachsen. In Phase II („Hypothesen spielen") haben die Kinder ihre naturwissenschaftlichen Fragen und Beobachtungen gesammelt und im Spiel Hypothesen gebildet. Anna Terstiege berichtet, dass sich schon in dieser Phase gezeigt hat, dass immer wieder Impulse aus der Einrichtung und aus dem Theater kommen und ein stetiger Dialog zwischen beiden stattfindet. Der Dialog besteht auch noch in Phase III („Zusammenarbeit mit Naturwissenschaftlern/ Probenphasen"), wenn sich das interdisziplinäre Team nach den Naturschauspielstunden zusammensetzt, ref lektiert und die Themen der nächsten Stunde plant. Anna Terstiege plant dabei maßgebend die theatralen Impulse, Martina von Gehlen bringt die naturwissenschaftlichen Erkundungen mit den Materialien ein und die Erzieherin steuert ihre pädagogischen Erkenntnisse sowie die auftauchenden Fragestellungen aus dem Alltag der Kinder bei. Die Phase IV („Inszenierungs- und Aufführungsphase in Kitas") ist in ihrer Umsetzung noch offen. Die Kinder können ihre Erfahrungen in naturwissenschaftlichen Minidramen verdichten oder einen theatralen Erkundungsparcours gestalten. Sicher geplant ist jedoch der Dialog nach außen, d. h. das Endergebnis soll Kindern aus anderen Kitas vorgeführt und nähergebracht werden.

Kurz-Infos zum Projekt:

Wer? Kooperation zwischen dem Kindergarten "Große Bären" (4- bis 5-jährige Kinder), der concept maternel gGmbH und der Theaterpädagogin Anna Terstiege, unter wissenschaftlicher Begleitung der Pädagogischen Hochschule Freiburg, gefördert von der Robert Bosch Stiftung
Was? Projekt in vier Phasen, in dem Kinder naturwissenschaftliche Phänomene mit den Mitteln des Theaters entdecken und untersuchen
Wann? Oktober 2010 bis November 2011

Naturschauspiele - Wissenschaft macht Theater

Im Projekt »Naturschauspiele« erforschen Kinder der Einrichtung »Große Bären« die großen und kleinen Besonderheiten ihres Alltags und bringen sie auf die Bühne. Sie werden ihre Erkundungsreise quer durch die Welt der Naturwissenschaften und des Theaters vorstellen und auch die Kinder im Publikum einladen, mit ihnen auf der Bühne zu forschen!

Vorstellungen speziell für Kindergärten (auch zum Mitmachen!):

Samstag 29. Oktober 2011 16 Uhr
Freitag 11. November 2011 10 Uhr
Donnerstag 17. November 2011 10 Uhr


"Wenn der Eimer aber ein Loch hat"

Für zwei Stunden öffnet das Projekt dieses Experiment für 5- bis 7-Jährige und lädt sie ein, diesen Spielraum für sich zu erobern. Sie können auf einer großen Wand mit verschiedenen Fenstern unterschiedlicher Farbe, Form und Größe mit Alltagsgegenständen, Naturmaterialien und ihrem Körpern Schattentheater spielen. Oder endlich herausfinden, wozu Löcher gut sind -zum Beispiel in Nasen, Gitarren und Vulkanen!

"Forscherraum-Workshops" speziell für Kindergärten:

Di. 8.11.11, 10 bis ca. 12.30 Uhr
Di. 15.11.11, 10 bis ca. 12.30 Uhr
Di. 22.11.11, 10 bis ca. 12.30 Uhr
Do. 24.11.11, 10 bis ca. 12.30 Uhr


Beide Veranstaltungen finden im Werkraum des Theaters Freiburg statt. Karten sind an der Theaterkasse erhältlich.

Quelle: Dieser Beitrag ist erschienen in „Entdeckungskiste – Zeitschrift für die Praxis in Kitas“, Ausgabe 4/11, geschrieben von Monika Janzer
www.entdeckungskiste.de copyright by Verlag Herder GmbH

Mehr Infos & Bilder zum Projekt

 

BUCH über das Theaterprojekt SPIELWIESE

Das Buch "Jetzt machen wir Theater" zum Theaterprojekt "SPIELWIESE - Theater mit den Allerkleinsten":

Mehr Informationen

FILM zum Theaterprojekt SPIELWIESE

In dem Projekt „Spielwiese-Theater mit den Allerkleinsten“ der concept maternel gGmbH und dem Theater Freiburg wurde Bildung von Anfang an geschaffen. Über 2 Jahre erlebten 2-3-Jährige Theater hautnah. Film zum Projekt SPIELWIESE

FILM zum Projekt NATURSCHAUSPIELE

In dem Projekt „Naturschauspiele - Wissenschaft macht Theater“ der concept maternel gGmbH haben Kindergartenkinder naturwissenschaftliche Fragen ins Theaterspiel überführt und im Theater Freiburg aufgeführt.
Film zum Projekt NATURSCHAUSPIELE

Kontakt

concept maternel gGmbH
Haydnstr. 15
79104 Freiburg
Tel. 0761 766 87 500
info@concept-maternel.de

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